21.08.2007
"Man muss manchmal ein Arschloch sein"
München/Hamburg - Rafael van der Vaart spricht. Nach den Turbulenzen der vergangenen Wochen wendet sich der 24-Jährige an die Öffentlichkeit.
Rafael van der Vaart kam 2005 aus Amsterdam zum Hamburger SV
Vorschau Rafael van der Vaart kam 2005 aus Amsterdam zum Hamburger SV
Bereits nach dem 1:0-Erfolg am Sonntag in der Bundesliga gegen Bayer Leverkusen, bei dem der Niederländer mit einem verwandelten Elfmeter zum Matchwinner wurde, wiederholte van der Vaart seine Wechselabsichten in Richtung Valencia.
Zugleich aber gestand er ein, Fehler in den vergangenen Tagen gemacht zu haben. Jetzt spricht er wieder. In einem Interview gibt er zu, dass das Foto mit dem Trikot des FC Valencia in der Hand für eine spanische Zeitung ein Fehler gewesen sein.
"Das war nicht gut. Eine Dummheit", sagte der Nationalspieler der "Bild".
Er würde zwar die Provokationen insgesamt wiederholen, aber "mit zwei Einschränkungen. Ich hätte einige Sätze viel besser formulieren müssen. Ich habe die HSV-Fans tief beleidigt. Und die Anhänger haben es nicht verdient, enttäuscht zu werden. Sie haben uns unterstützt, als wir Tabellenletzter waren. Da gab es keine Pfiffe für die Mannschaft. So was gibt es nirgendwo. Zudem hätte ich die Sache mit dem Trikot sein lassen sollen."
Linie beibehalten
Späte Einsicht eines Stars, der sich öffentlich mit seinem Klub angelegt hat und nun um sein Image kämpfen muss, nicht als Fußball-Söldner abstempelt zu werden.
Van der Vaart bleibt bei seiner Linie, verteidigt seine Aktionen: "Man muss manchmal im Leben ein Arschloch sein. Auch wenn ich es nicht gerne bin."
"Wollte Traum durchsetzen"
Doch er bittet um Verständnis.
Er hätte ein "ein Superleben für mich und meine Familie hier in Hamburg einfach weggeworfen. Nur, weil ich meinen Traum, bei einem Topverein in Spanien zu spielen, mit allen Mitteln durchsetzen wollte", sagt der Mittelfeldakteur.
"Aber ich hätte keinen Respekt vor mir selbst, wenn ich meinen Traum nicht verfolgt hätte".
"Bin nicht ferngesteuert"
Dabei verteidigt er auch seinen Berater Sören Lerby. Er sei "von meinem Berater nicht ferngesteuert. Ich übernehme die gesamte Verantwortung. Sehen Sie: Es ist doch mein Traum, bei Valencia zu spielen - nicht seiner".
Doch van der Vaart weiß auch, dass das Interesse der Spanier mit jedem Tag, den er in Hamburg ist, sinkt: "Es ist ein Rennen mit der Zeit. Auch wenn Valencia hinter mir steht, werden sie bald sagen, dass es ihnen zu lange dauert, und einen anderen Spielmacher holen. Das ist mir klar".
Thema bald vom Tisch
Und Valencia orientiert sich offenbar neu: Übereinstimmenden spanischen Medienberichten zufolge soll der Champions-League-Qualifikant bereits eine Verpflichtung von van der Vaarts Landsmann Ibrahim Afellay (PSV Eindhoven) als Alternative ins Auge gefasst haben.
"Momentan macht es keinen Sinn, nach Hamburg zu reisen, um einen Wechsel van der Vaarts zu forcieren", erklärte Valencias Sportdirektor Miguel Angel Ruiz der Sporttageszeitung "AS".
Und gegenüber "Super Deporte" fügte er an: "Dienstag starten wir unseren letzten Versuch. Wenn sich dann nichts tut, ist das Kapitel van der Vaart beendet."
"Kein Vertrauen im Fußball"
Bitter stößt ihm allerdings auf, dass es aus van der Vaarts Sicht "im Fußball kein Vertrauen gibt. Mir wurden Verhandlungen von HSV-Seite versprochen, wenn ich so ein Angebot bekomme. Aber am Ende erinnert sich niemand mehr daran. Und bei Ungerechtigkeiten drehe ich eben durch. Das soll keine Entschuldigung sein. Aber eine Erklärung".
Und nun? Er zahlt die Geldstrafe, die der HSV ihm für sein Verhalten aufgebrummt hat, "unter Protest". Denn: "Es bleibt mir nichts weiter übrig."
Doch der Traum lebt: "Ich werde für den HSV die Saison spielen, mich wie schon in der Vergangenheit voll reinhauen. Und irgendwann, in ein, zwei Jahren, spiele ich in Spanien. Da bin ich sicher."




